Chronik des Vereins


Einer der ersten Auftritte der Instrumentalgruppe
Lehrer August Höing(+) hatte im Jahre 1952 die zündende Idee, in der kleinen Landgemeinde neben dem Kirchenchor Cäcilia Blasorchester zu gründen. Der musikbegeisterte Hubert Knüsting(+) und dann Franz Ossing(+) griffen die Idee auf und versuchten sie schnellstmöglich zu verwirklichen. In Kapellmeister Emil Tölg(+) hatten sie gleich den richtigen Ansprechpartner: Den gebürtigen Schlesier verschlug es nach dem Krieg nach Gemen, von wo er zunächst den damals bereits existenten Weseker Musikverein leitete.

Spontan interessierten sich 27 junge Borkenwirther für das Vorhaben. Von befreundeten Musikern aus Weseke wurden die ersten Instrumente zur Verfügung gestellt, die restlichen, wenn auch reperaturbedürftigen, fanden sich nach dem Stöbern auf Bauerngehöften und bei Verwandten. Instrumentenbauer Hermuth aus Gelsenkirchen brachte sie “auf Vordermann” und lieferte über Jahre hin weiter Instrumente.

Das Notenbeschaffen in den Nachkriegsjahren galt als problematisch, meist wurden sie selbst geschrieben, und als Proberaum dienten zunächst alte Bauernstuben. Alle Schwierigkeiten wurden von dem Enthusiasmuss der jungen Musiker überdeckt und hinweg gefegt! Schon bald wurde das “Büdeken”, der ehemalige Bauschuppen beim Kirchenbau, das Domizil der Musiker, die es selbst mehrmals erweiterten bis zum heutigen schönen Musikheim.

Das junge Orchester war schon bald gefragter Klangkörper bei Gottesdienstgestaltungen in der neugebauten Hl.-Kreuz-Kirche, bei Wallfahrten nach Kevelaer, Telgte, Eggerrode und ins belgische Banneux. Johann und Franz Kemper, die lange aktiven Mitbegründer, erinnern sich gerne an den ersten Galaauftritt bei der Karnevalssitzung “KaKaJu” im Lindensaal zu Münster. Als erstes und einziges Landjugendblasorchester Deutschlands war es folgerichtig, dass die Borkenwirther Musiker zu Grossveranstaltungen der Landjugend auf Landes und Bundesebene verpflichtet wurden. Dazu haben sich mittlerweile weitere Verpflichtungen gestellt. Schon beim Internationalen Jugendtreffen 1954 – also zwei Jahre nach der Gründung – waren die Borkenwirther Musiker mit von der Partie. Es würde den Rahmen der Chronik sprengen, wenn hier alle Veranstaltungen genannt würrden. Auf einige sei aber doch hingewiesen, so auf die Schützenfestgestaltungen in Ladbergen, Recklinghausen, Marl, Raesfeld, Ramsdorf und Burlo oder in Gemenwirthe, Bocholt, Coesfeld und Oeding. Alljährlich ist man bei den Karnevalsumzügen in Gescher und Raesfeld dabei. Erwähnenswert sind auch die Auftritte beim Volkslauf in Gemen, bei der Eröffnung der Futtermittelbetriebe »Brand Purina« in Düsseldorf und bei der »Grünen Woche« in Berlin.
Und natürlich steht das Borkenwirther Schützenfest konstant im Jahresterminkalender.

Dem im Jahre 1976 verstorbenen Emil Tölg folgte als Dirigent Gert Willing aus Ahaus. Der Vollblutmusiker forderte die Musiker zu Höchstleistungen und führte sie zu vielen Konzerterfolgen wie beispielsweise in der Essener GRUGA oder mit dem Blasorchester Münsterland, einer inzwischen aufgelösten Konzertvereinigung zwischen der Instrumentalgruppe und dem Blasorchester Rodde, an desssen Gründung auch der gebürtige Borkenwirther Bernhard Nießing im Jahre 1978 maßgeblich beteiligt war. Die in den Folgejahren durchgeführten Auslandsreisen wären ohne seinen Einsatz und sein Durchsetzungsvermögen nicht zustande gekommen. Bernhard hat mit den von ihm organisierten Fahrten vielen Musikerinnen und Musikern Erlebnisse und Eindrücke beschert, die diese ansonsten nie gemacht hätten: Auf Konzerttourneen nach Österreich, Juguslawien sowie nach Ungarn und Polen, nach Moskau und Spanien erlebten sie bis heute unvergessene Momente. In diesen Jahren stand auch die Mitgestaltung der Zeremonien in Kevelaer beim Besuch des Heiligen Vaters auf dem Programm (1987).

Heiner Nießing leitete als erster Vorsitzender mit seinem Vorstandsteam die Geschicke des Vereins. Dieser übergab sein Amt im Jahr 1990 an Alfons Rottstegge, der sich fortan mit hoher Schaffenskraft für die Belange des Musikvereins einsetzte. Im Jahre 1988 zwang eine schwere Krankheit Gerd Willing, den Dirigentenstab nieder zu legen.

Paul Adass gibt den Takt bei der Probe in der Turnhalle an

Mit seinem Nachfolger, dem Berufsmusiker Paul Adass von der Bundeswehr, erfuhr das Orchester einen weiteren musikalischen Aufschwung. Harte Probearbeiten mit Ausbildern von der Bundeswehr und zahlreiche Auftrittsverpflichtungen in der engeren und weiteren Region stehen bei dem großen Orchester, in den seit einigen Jahren die Jugend eindeutig dominiert, im Mittelpunkt. Der damalige zweite Vorsitzende Stafan Lansmann-Niehaus wurde auf der Generalversammlung im Jahr 2000 zum ersten Vorsitzenden gewählt. Im Jubiläumsjahr 2002 bietet die Instrumentalgruppe unter seinem Vorsitz ihre erste Compact-Disc an, welche ein Querschnitt vom derzeitigen, aktuellen Musikrepertoire präsentiert und gewissermaßen richtungsweisend für eine erfolgreiche Zukunftsarbeit ist.

Diese bestand neben der musikalischen Aktivität zunehmend auch aus „außermusikalischem“ Rahmenprogramm: So wurde alle 2 Jahre direkt im Anschluss an das alljährliche Osterkonzert eine Vereinsfahrt organisiert, die auch der Kameradschaft diente. Es wurden vermehrt auch kleinere Auftritte angenommen, man traf sich recht häufig und der Musikverein entwickelte sich zu einer zeitgemäßen Plattform für die Freizeitgestaltung.

Im Jahr 2002 durfte man auf 50 jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Dieses Jubiläum wurde insbesondere durch einen großen Kommersabend im Borkenwirther Festzelt im Herbst und einem großen Jubiläumskonzert zur Adventszeit im Borkener Vennehof würdig begangen.

Dank erfolgreicher Jugendarbeit waren in der Instrumentalgruppe viele Stimmen von sehr jungen Leuten besetzt. In den folgenden Jahren setzte sich diese Entwicklung weiter fort. Diese kamen auch zunehmend aus benachbarten Orten. Ab dem Jahr 2008 übernahm Stefanie Brinkhues den Vorsitz des Vereins. Paul Adass arbeitete über 20 Jahre sehr erfolgreich in Borkenwirthe, in denen er vor allen Dingen die Marschmusik des Großen Orchesters, aber auch die musikalische Ausbildung perfektionierte. Der Erfolg konnte sich fortan sehen lassen: Sehr junge Leute, die ihr Instrument bereits sehr gut beherrschen sowie sehens- und hörenswerte Marschmusik-Auftritte, vor allem die Aufführung des „Großen Zapfenstreiches“ bescherte den Borkenwirthern große Beliebtheit.

Joachim Pradel in einer seiner ersten Proben mit der Instrumentalgruppe

Der Dirigentenstab wurde erneut weitergegeben. Diesmal in die Hand von Joachim Pradel. Seit Beginn seiner Musikerlaufbahn, als er im Kindesalter bei der Vredener Musikschule auf der Blockflöte das Instrumentenspiel erlernte, ist Pradel als Solist, in verschiedenen Musikensembles und Orchestern als Musiker und Dirigent aktiv. Über die Geige kam er zur Trompete. An der Folkwand-Universität der Künste in der Benediktinerabteil Essen studierte er Trompete und legte dort seine künstlerische Reifeprüfung für Orchestermusik ab. Sein Können gibt Pradel als Musiklehrer an Nachwuchsmusiker weiter.

Der Verein setzt sich wieder mal mit einer baulichen Erweiterung des „Büdekens“, auch aufgrund der Entwicklungen der Kirchengemeinden vielleicht dann in eigener Hand, auseinander. Angedacht sind eine energetische Sanierung verbunden mit einer Erweiterung der Räumlichkeiten für die Probenarbeit und die Schaffung notwendiger Nebenräume zur Lagerung von Notenmaterial und Instrumenten.

Mit dem anstehenden 60 – jährigen Jubiläum soll in Borkenwirthe die Vereinsgeschichte weiter geschrieben werden und damit den mutigen Gründern des Landjugend-Blasorchesters ein ehrendes Gedenken bewahrt werden.